Traurig, ein Grund zum Unglücklichsein

Sehr traurig, Paul Watzlawick ist gestorben. Ein sehr guter Autor – die Bücher von ihm lassen sich wirklich erfrischend leicht Lesen, trotz ihrer zumeist mehrdeutigen und überdenkenswerten Botschaft!

Insbesondere die Anleitung zum Unglücklichsein habe ich seinerzeit sehr gut gefunden …

Überhaupt, alles von Watzlawick bei Amazon

Und einige Texte im Web

Ich kann es auch nicht lassen noch etwas zu seiner Kommunikationstheoretischen Arbeit zu posten (Achtung: stammt nicht von mir sondern so gesehen in der Wikipedia)

Kommunikationstheorie

Paul Watzlawick entwickelte eine Kommunikationstheorie, die auf fünf pragmatische Axiome aufbaut. Die Einhaltung der Axiome, die eher als Regeln zu verstehen sind, ist die Grundlage einer funktionierenden Kommunikation. Die Verletzung einzelner kann zu einer Störung in der Kommunikation und der damit verbundenen menschlichen Beziehung führen:

Erstes Axiom

In einer sozialen Situation kann man nicht nicht kommunizieren

Sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen können, kommunizieren diese miteinander, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Watzlawick versteht Verhalten jeder Art als Kommunikation. Da Verhalten kein Gegenteil hat, man sich also nicht nicht verhalten kann, ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren. Dieses Axiom ist auch bekannt als metakommunikatives Axiom.

Störungen nach dem ersten Axiom entstehen
  • durch Ignorieren der Kommunikation (Nicht-Antworten oder Nicht-Eingehen auf das, was der Partner sagt),
  • durch widerwillige Annahme der Kommunikation,
  • durch Abweisungen wie „Mit dir will ich nichts zu tun haben“, da diese widersprüchlich sein können,
  • durch einseitiges Beenden der Kommunikation, da dies eine Aussage ist, die der Kommunikationspartner interpretieren muss.

Zweites Axiom

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den Ersteren bestimmt.

Jede Kommunikation enthält über die reine Sachinformation (Inhaltsaspekt) hinaus einen Hinweis, wie der Sender seine Botschaft verstanden haben will und wie er seine Beziehung zum Empfänger sieht (Beziehungsaspekt). Der Inhaltsaspekt stellt das Was einer Mitteilung dar, der Beziehungsaspekt sagt etwas darüber aus, wie der Sender diese Mitteilung vom Empfänger verstanden haben möchte. Der Beziehungsaspekt zeigt, welche emotionale Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern herrscht. Daraus folgt, dass der Beziehungsaspekt den Inhaltsaspekt bestimmt, denn die Art der Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern begrenzt bzw. ermöglicht das gegenseitige Verständnis.

Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn auf beiden Ebenen Einigkeit herrscht oder eine Uneinigkeit auf der Inhaltsebene die Beziehungsebene nicht beeinträchtigt. Störungen entstehen bei Uneinigkeit auf beiden Ebenen, nur auf der Beziehungsebene oder bei Verwechslung der Ebenen.

Störungen nach dem zweiten Axiom entstehen,
  • wenn Konflikte einer negativen Beziehung auf der Inhaltsebene ausgetragen werden,
  • wenn die Uneinigkeit auf der Inhaltsebene auf die Beziehungsebene übertragen wird (Störungen),
  • wenn die Beziehung negativ ist,
  • wenn Unklarheit über die Beziehung besteht,
  • wenn man versucht, den Beziehungsaspekt aus der Kommunikation herauszuhalten.

Drittes Axiom

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionen der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt

Dies bedeutet, dass Sender und Empfänger den Kommunikationsablauf unterschiedlich gliedern und so ihr eigenes Verhalten oft nur als Reaktion auf das des anderen interpretieren, d.h. die Schuld liegt beim anderen. Menschliche Kommunikation ist aber nicht in Kausalketten auflösbar, sie verläuft vielmehr kreisförmig. Niemand kann genau angeben, wer beispielsweise bei einem Streit wirklich „angefangen hat“. Anfänge werden nur subjektiv gesetzt als so genannte „Interpunktionen“.

Den Ablauf, in dem Ursache und Wirkung ihre Stellung in der Kommunikation verändern können, nennt man Interdependenz. Erfolgreiche Kommunikation ist zu erwarten, wenn beide Partner als Ursache und Wirkung die gleichen Sachverhalte festlegen und Kommunikation als Regelkreis verstehen. Störungen entstehen, wenn ein Partner an einem Punkt der kreisförmigen Kommunikation einen Einschnitt vornimmt und sagt: „Hier hat es angefangen, das ist die Ursache“.

Störungen nach dem dritten Axiom entstehen, wenn
  • eigenes Verhalten mit dem Verhalten des anderen entschuldigt oder gerechtfertigt wird,
  • durch eine sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung, die nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, die aber beim Gegenüber ein Verhalten erzeugt, das dieser Behauptung entspricht.
  • Zwang und Druck einen Anfangspunkt setzen.

Viertes Axiom

Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten

Nicht nur das gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen bzw. analog-verbalen Äußerungen (z.B. Lächeln, Wegblicken,…) teilen etwas mit.

Mit analogen Elementen wird häufig die Beziehungsebene vermittelt, mit digitalen die Inhaltsebene. Erfolgreiche Kommunikation besteht bei Übereinstimmung zwischen analoger und digitaler Modalität und wenn beide eindeutig sind. Störungen entstehen bei Nichtübereinstimmung oder bei Unklarheiten einer der beiden Codierungsarten. Wenn die analoge und die digitale Aussage übereinstimmen, ist die Botschaft kongruent.

Ursachen für Störungen nach dem vierten Axiom
  • Analoge Kommunikation ist mehrdeutig, kann also falsch interpretiert werden.
  • Auch digitale Elemente sind nicht immer klar und eindeutig.
  • Überwiegen einer Codierungsart führt zu Störungen.
  • Nichtübereinstimmung von digitaler und analoger Kommunikation
  • Nichtbewusstsein der eigenen analogen Kommunikation bei einem Kommunikationspartner

Fünftes Axiom

Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär

Beziehung zwischen Partnern basieren entweder auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit. In komplementären Beziehungen ergänzen sich unterschiedliche Verhaltensweisen und bestimmen den Interaktionsprozess. Eine symmetrische Beziehungsform meint, dass die Beziehung Ungleichheiten vermindern will (Streben nach Gleichheit). Bei komplementären Beziehungen ist die Grundlage die Unterschiedlichkeit der Partner, die auf Ergänzung ausgerichtet sind. Erfolgreiche Kommunikation ist zu erwarten, wenn in einer Beziehung beide Kommunikationsabläufe vorhanden sind.

Ursachen für Störungen nach dem fünften Axiom
  • Symmetrische Eskalation: Beide Kommunikationspartner wollen sich gegenseitig übertrumpfen.
  • Starre horizontale Komplementarität: Die Kommunikationspartner beharren starr auf komplementären Standpunkten oder vordefinierten dogmatischen Grundkonzeptionen, so dass eine aktuelle, auf Ergänzung ausgerichtete Kommunikation unmöglich wird oder durch den A priori-Filter stark eingeschränkt wird.
  • Starre vertikale Komplementarität: Starkes Autoritäts- bzw. Machtgefälle, so dass eine Abhängigkeitsbeziehung oder Unselbstständigkeit und Fremdbestimmung entstehen.

Enantiodromie

Watzlawick hat Heraklits Gedanken von der „Einheit in der Vielfalt“ der Dinge – Enantiodromie – aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass ein Zuviel des Guten stets ins Böse umschlage. Zuviel Patriotismus erzeuge Chauvinismus, zuviel Sicherheit Zwang oder zuviel Buttercremetorte Übelkeit.

Ende Wiki-Artikelauszug

~ von unintendedpurpose - April 2, 2007.

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